Hurra die Welt geht unter – K.I.Z. (feat. Henning May)

K.I.Z.‘s „Hurra die Welt geht unter“ steht nicht nur durch den gleichen Namen repräsentativ für den Rest der Platte. Sowohl Single als auch Album drücken eine generelle Unzufriedenheit mit der aktuellen Lage von Gesellschaft und Politik aus. Henning May von AnnenMayKantereit ist für die Hook verantwortlich und ergänzt das Klangbild durch seine auffällig tiefe Stimmlage.

LYRICS MITLESEN

Der Aufbau von „Hurra die Welt geht unter“ verläuft klassisch. Zwischen drei Parts kommt die Hook jeweils doppelt vor. K.I.Z. berichtet uns von einer utopischen Welt in naher Zukunft: Eine neue Form des Zusammenlebens hat sich gebildet und steht als positiver Fortschritt gegenüber einer vergangenen Gesellschaft. Überreste erinnern jedoch immer noch an unsere jetzige Zeit. Der Weltuntergang wird als etwas Positives wahrgenommen, soll also mehr als Neuanfang anstatt als Ende gesehen werden. Trotz der apokalyptischen Verhältnisse wurde daher auch ein ruhiger Flow und ein entspannter Beat gewählt.

In der ersten Strophe wird die neue Situation beschrieben, um dem Zuhörer die befreite Atmosphäre zu vermitteln. Die positiven neue Verhältnisse werden mit dem Niedergang der alten Zustände in Verbindung gebracht. („Barbecue – Ruinen der Deutschen Bank“, „Vogelnester – löchrige Leuchtreklame“, „wärmen uns auf – brennende Deutschlandfahne“). All diese Gegenüberstellungen sollen einerseits zeigen wie wünschenswert die neue Situation im Gegensatz zu der Momentanen ist, beinhalten aber auch jede für sich scharfe Kritik. Eine brennende Deutschlandfahne ist eine starke Distanzierung von Deutschland selbst und drückt einen Wunsch nach dem Verfall des Staates aus. Stattdessen wird aus diesem sogar noch etwas Gutes gewonnen: in der Metapher die Wärme.

Weiterhin wird die Deutsche Bank, stellvertretend für den Kapitalismus, welcher oft Thema in Texten von K.I.Z. ist (siehe Geld), nur noch als Ruine dargestellt. Der Aufbau ist ähnlich, sodass es nun Platz für etwas Besseres gibt. Obdachlosigkeit und schlechte Arbeitsverhältnisse soll es in ihrer Utopie nicht geben. Der Verfall der aktuellen Welt sei also Grundlage für die Entstehung einer Besseren.

Die letzten vier Zeilen der ersten Strophe beinhalten den Wunsch nach einer Bestrafung der Verantwortlichen („bitte Herr vergib ihnen nicht, denn sie wissen was sie tun“) und den konkreten Aufruf zu einer Revolution. So sei es möglich das Paradies zu erreichen („unter den Pflastersteinen wartet der Sandstrand“), man müsse zur Not aber mit anderen Mitteln vorgehen – wenn nötig mit Gewalt („wenn nicht mit Rap, dann mit der Pumpgun“).

In der Hook des Songs wird die Freude über den Untergang der Welt besonders deutlich. Sogar an einem, objektiv betrachtet, sehr negativem Ort findet man immer noch Gefallen an der neuen Situation und empfindet sie als besser („Und wir singen im Atomschutzbunker:
Hurra, diese Welt geht unter!“). Die Freude will scheinbar gar nicht enden, die Ausrufe der Freude werden mehrfach wiederholt. Auf den Trümmern das Paradies“ bringt die bereits genannten Gesichtspunkte über den Verfall von Altem und die Erschaffung von Neuem auf den Punkt.

In der zweiten Strophe gibt es erneut ähnliche Gegenüberstellungen, jedoch ist die Kritik an heutigen gesellschaftlichen Situationen stärker und eindeutiger auf bestimmte Themen ausgerichtet. Der Großkonzern Nestlé, welcher vor allem für genmanipulierten Lebensmittel und seine monopolartige Stellung in der Lebensmittelbranche scharf kritisiert wird, ist in ihrer besseren Welt nicht mehr vorhanden. K.I.Z. positioniert sich durch die Darstellung in ihrer Utopie außerdem eindeutig für eine Legalisierung von Cannabis („du willst einen rauchen? Dann geh dir was pflücken im Garten“). Auch der Kapitalismus wird erneut angesprochen: Geld und Gold sollen in ihrer Zukunft keine Wertigkeit mehr besitzen. Am Ende des zweiten Parts ist es Religion, welche in Form einer Bibel, ähnlich wie die Deutschlandfahne, verbrannt wird („der Kamin geht aus, wirf‘ mal noch ‘ne Bibel rein“). Es wird appelliert nicht mehr auf ein Leben nach dem Tod zu hoffen, sondern stattdessen dieses Leben so lebenswert wie möglich zu gestalten („dieses Leben ist so schön, wer braucht ein Leben danach?“).

Die Legalisierung von Cannabis wird zu Beginn der dritten Strophe erneut befürwortet, während gleichzeitig das Leben im Einklang mit der Natur zelebriert wird („die Kühe weiden hinter uns, wir rauchen Ott spielen Tavla“). Auch die Kirche wird ein zweites Mal aufgegriffen und gemeinsam mit Pornos für ein verzerrtes Bild von Sexualität verurteilt. Wie am Ende der ersten Strophe wird auf die bereits geschehende Revolution verwiesen. Das Verbrennen der Personalausweise ist die in jeder Strophe vorkommende Metapher, bei der durch Verbrennen der Wunsch nach Zerstörung des Systems geäußert wird. Der Vers „sie dachten ihre Scheiße hält ewig“ prophezeit den baldigen Zusammenbruch.

Am Ende wird die neue Generation der Utopie beschrieben. Sie versteht das Konzept des freien Handels nicht und lebt selbstloser als unsere jetzige Gesellschaft, deren Handeln zum Verfall geführt hat („wieso soll ich dir was wegnehmen wenn wir alles teilen?“). Es wird vermittelt, dass unser jetziges System nicht genug auf soziale Gerechtigkeit achtet und dies in der langfristigen Konsequenz zu einem Zusammenbruch führen wird.

Insgesamt ist K.I.Z. mit seinen Texten dem linken Spektrum der Politik zuzuordnen. Sie stellen sich eindeutig gegen eine kapitalistische Wirtschaft, fordern eine liberalere Drogenpolitik und verurteilen Einschränkungen bei z.B. sexueller Selbstverwirklichung. „Hurra die Welt geht unter“ wirkt wie ein Aufschrei und der Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft.

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