Kompass ohne Norden – Prinz Pi

Die gleichnamige Debütsingle zum Album „Kompass ohne Norden“ beschreibt die verschiedenen Schicksale von Jugendlichen die nach der Schulzeit ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Damit eng verbunden wird die Thematik Zukunftsängste behandelt.

LYRICS MITLESEN

Den Anfang macht die Hook, welche sich auch zwischen den drei Strophen jeweils zweimal wiederholt. Der letzte Part beinhaltet eine thematische Besonderheiten und ist somit auch der längste, weshalb bewusst auf die letzte Wiederholung verzichtet wird.

Das Werk steigt nach einem Abiball ein und beschreibt in der ersten Strophe den typischen Verlauf eines Lebens vom Zivildienst bis zur Universität. Der Autor geht hier auf keine Details ein und spricht von den Ereignissen nur in der dritten Person. Es wird sehr stark verallgemeinert um die Situation vieler Jugendlichen in dieser Zeit zu beschreiben und den Zuhörern die Möglichkeit zu geben sich mit den Texten zu identifizieren. Wie verschieden die Schicksale nämlich innerhalb dieser Generation verlaufen können, wird durch die Beschreibung der Kleidung erkenntlich. Viele der Jungs hätten für das Gruppenfoto einen Anzug getragen („manche ham‘ sich reingezwängt“, „manche ham‘ ihn anbehalten“). Der Anzug steht hier für das typische erfolgreiche Leben in Büros, welches für einige der Jugendlichen keine erfüllende Gestaltung ihres Lebens wäre – sie haben sich in den Anzug reingezwängt. Die Gegenüberstellung wird besonders durch die genutzte Anapher von „manche ham‘“ deutlich.

Anschließend steht ein sehr oft zitierter Vergleich in dem die Schulabgänger mit der Kugel eines Löwenzahns verglichen werden. Ähnlich wie die Pollen sind sie noch „beisammen“, werden sich aber schon bald durch den Schulabschluss in die verschiedensten Richtungen verteilen. Ein auch darauf anspielendes Wortspiel ist die Benutzung des Wortes „treiben“ in Bezug auf „orientierungslos sein“ und als Teil der Phrase „etwas zu weit treiben“. Prinz Pi möchte anscheinend die Gefühle junger Menschen ausdrücken: Sie wissen oft noch nicht wie genau sie sich sehen sollen, was ihre Ziele und wo bestimmte Grenzen sind. Das „gerne“ deutet aber daraufhin, dass man es auch genießen kann diese Grenzen auszutesten und seine neu erlangte Freiheit auszuleben. Die Verse „trotzdem nichts verstehen, Sex im WG-Zimmer – nach Erstsemesterpartys, irgendwas geht immer“ führen das Ganze aus. Um den Hörern das Gefühl zu vermitteln, dass sich die vielen Ereignisse innerhalb kürzester Zeit abspielen, beziehungsweise wie schnell sich alles anfühlt, werden oft Präpositionen und Artikel weggelassen um eine abgehackte und kurze Satzstruktur zu erschaffen („Zivi verstreicht, Uni erscheint“, „Samstag Laster leihen, mit Eltern zu Ikea gehen“).

In der Hook greift der Autor die verschiedenen Schicksale der Mitschüler auf und deutet daraufhin, dass sich das lyrische Ich mit diesen vergleicht. Der Kompass ohne Norden ist eine Metapher für das ‚Verloren sein‘ selbst, da ein Kompass ohne Norden zwar eine Richtung anzeigt, man aber nicht weiß wohin sie führt.

Die Schicksale von drei Schülern in Strophe zwei werden zum ersten Mal detailreicher ausgeführt. Alle halten dem Hörer das mögliche Scheitern vor Augen („hatte nach nur zwei Stunden meine Heimat satt“, „mit jedem Tag wird es noch komplizierter“). Eine Person hat sich das Leben genommen, eine ist in einem Autounfall verunglückt und ein Pärchen hat sich getrennt.

Ein besondere Fokus liegt auf dem Pärchen: Früher als die große Liebe angesehen, zeigt ihre Trennung heute, dass eben nicht alles glatt laufen muss. Prinz Pi geht ausschließlich auf diese Erfahrung näher ein und bringt sein eigenes Leid zum Vorschein („wer das nicht kapiert hat, kann nur jemand sein, der noch nie geliebt hat“). (siehe Laura)

Der letzte Part ist der längste und bringt einen Stilbruch mit sich. Er beschäftigt sich zuerst mit der Angst davor seine Eltern zu enttäuschen und sagt voraus, dass dies unmöglich ist, egal welche Art von Leben man führt. Das Fazit scheint zu sein, dass man sich nicht von diesen Ängsten einschränken lassen sollte, da man seine Eltern nie gänzlich zufriedenstellen kann („und ganz egal, welchen Weg man läuft – mit jedem Schritt tritt man auf Minen“).

Das zweite Thema ist das Wiedertreffen eines alten Mitschülers, der als sehr erfolgreich dargestellt wird, aber sein gesamtes Leben dem Erfolg geopfert hat. Er wirkt für den Hörer sehr unsympathisch und protzend („den ganzen Abend hat er durch meine Miene gesprochen“, „er ist jetzt sehr erfolgreich, redet von teuren Uhren hohen Steuern und dem Goldpreis“). Es wird klar, dass es sich nicht lohnt sein gesamtes Leben auf materiellen Erfolg auszulegen. Der Höhepunkt dieses Aufeinandertreffens ist der Aufschrei an den ehemaligen Mitschüler: „Was hast du schon erreicht?“. Prinz Pi vergleicht seinen Gegenüber mit einem (Finanz-)Hai und bildet eine Metapher aus der hervorgeht, dass es nie möglich sei der Erfolgreichste zu sein und zu viel Ehrgeiz einen schlussendlich nie zufriedenstellen wird. Er fordert ihn auf seine Menschlichkeit wiederzufinden („sei ein Mensch und kein Hai, Mensch“). Diese direkte Ansprache richtet sich aber gleichzeitig auch an die Zuhörer.

Im dazugehörigen Musikvideo wird die verbitterte Art des erfolgreichen Mitschülers für das Publikum noch deutlicher, da dieser dort mit einem Alkoholproblem dargestellt wird.

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